Die Prüfung         

Der Wecker holt mich aus dem Schlaf! Was soll das, es ist doch Wochenende?  Doch dann bin ich hellwach: Heute ist P R Ü F U N G !

Regelmäßig werden die Leistungen unserer Rettungshundeteams überprüft und ich bin heute auch dran. Na dann…. Mit dem Hund raus, schnell ein wenig frühstücken und los. Ich soll heute für die Brötchen sorgen; also ein Stopp beim Bäcker. Als ich im Gelände ankomme, sind schon einige Kameraden mit Vorbereitungen beschäftigt. Gemeinsam sind wir dann schnell mit dem Aufbau fertig.

So, nun ein Blick auf die Liste der Prüflinge, wer ist wann dran? Es fangen die Teams für Fläche 1 an, dabei müssen in einer halben Stunde bis zu zwei Personen in einer Fläche von 50.000 qm gefunden werden. Mein Charly und ich müssen heute die Fläche 2 absolvieren, das heißt bis zu drei Personen in einem Gebiet von 100.000 qm. Dafür haben wir dann eine Stunde Zeit.

Wir sind als vorletztes Team dran; das schont nicht gerade die Nerven.

Bevor die Suchen starten, wird noch die Unterordnung geprüft. Immer vier Teams auf einmal. Zwei Hunde werden abgelegt, während die anderen Beiden die Unterordnung laufen; dann wird gewechselt.

Charly macht es sehr gut. Dafür wird auch ordentlich gespielt, bis es dann wieder in Warteposition ins Auto geht.

Und dann soll es endlich losgehen. Den Hund noch mal lösen lassen und los!

Ich melde mich bei der Prüfungsleitung, frage nach der Lage und bekomme mein Gebiet zugewiesen. Funk testen, auf die Karte schauen … (ich hoffe, ich habe nichts vergessen). Mein Suchgebiet ist leicht keilförmig. Ich muss meine Suche so einteilen, dass ich es meinem Hund und mir nicht unnötig schwer mache.

Am Ansatzpunkt noch meinen Helfer einweisen, den Wind kurz prüfen und zur Sicherheit eine Kompasszahl nehmen; dann geht’s los. Charly löst sich schön, hält sich aber sehr weit links, dadurch vernachlässigt er den rechten Rand etwas. Ich verständige mich gerade mit meinem Helfer, dass wir dieses Stück am Schluss absuchen, falls bis dahin noch nicht alle Personen gefunden wurden, da zeigt mein Hund an. Er hat eine Person auf einem Hochstand gefunden. Schnell bei der Einsatzleitung melden: Standort und Befinden der Person durchgeben; Rettungswagen anfordern, Hund bestätigen und um das „Opfer“ kümmern.

Nachdem die Situation abgearbeitet ist, gehe ich mit Charly wieder weiter an den rechten Rand und setze ihn neu an. Am Ende des Suchgebietes schlagen wir um und da das Gebiet keilförmig ist, kann ich mich jetzt an dem anderen äußeren Rand orientieren.

Wir sind schon ein ganzes Stück über und um gefällte Tannen herum gegangen, da verschwindet mein Hund fast ganz in einem Haufen Tannengrün. An seinem Schwanzwedeln kann ich schon erkennen, dass er gefunden hat, aber da bellt er auch schon. Gleiches Prozedere wie bei der ersten Person. Ich bin riesig stolz auf meinen Charly, dass er unter den frischen, stark riechenden Zweigen gefunden hat.

So, nun aber weiter bis zum Ende des Suchgebietes und dann mit der Kompasszahl durch die Mitte. Mein Hund findet hier niemanden, also bleibt noch der Streifen am rechten Rand. Ich halte mich dicht am Weg; Charly läuft auf dem Weg. Ich kann gerade noch an seiner Haltung sehen, dass er „Geruch“ hat, da ist er auch schon weg. Kurz darauf höre ich gedämpftes Bellen. Anzeige! Ich gehe dem Gebell nach und finde Versteckperson und Hund in einem ca. 1,20 m tiefen Graben. Super, großer Hund!

Alles noch abarbeiten und bei der Einsatzleitung nachfragen, ob noch jemand vermisst wird. Als das verneint wird, kann ich durchschnaufen und ganz, ganz doll mit meinem Hund spielen.

Bei der Prüfungsleitung erfahre ich dann, dass wir bestanden haben. Nun haben mein toller Hund und ich  erst einmal wieder 18 Monate Zeit bis wir uns der nächsten Prüfung stellen müssen...