(Ähnlichkeiten mit lebenden Rettungshunden sind gewollt!)
Mensch, war das ein Wochenende! Nicht nur am Samstag fünf Stunden Training; Nein, am Sonntag mussten wir auch noch zu einer Vorführung. Viele andere Hunde waren da. Das waren die Kameraden Jagdhunde, die für ihre Jäger Spuren lesen und Wild apportieren. Na, dann such ich schon lieber Menschen.
Aber mein Frauchen hat gesagt wir müssen da hin, um Spenden zu sammeln! Denn wir arbeiten ehrenamtlich und ohne staatliche Zuschüsse. Das Meiste bezahlen Herrchen und Frauchen aus eigener Tasche. Die Spenden fließen alle in die Rettungshundearbeit. Für unsere Kenndecken zum Beispiel, damit wir bei der Arbeit als Rettungshunde erkannt werden. Und für Funkgeräte damit unsere Menschen Hilfe holen können, wenn wir einen anderen Menschen gefunden haben.
Ich verrate Ihnen mal ein Geheimnis: Eigentlich suche ich gar nicht die Menschen, die liegen, hocken oder sitzen. Ich suche immer nur mein Spielzeug. Denn das habe ich bei der Ausbildung gelernt! Ein Mensch, der sich nicht mehr auf zwei Beinen vorwärts bewegt, der hat mein Spielzeug und manchmal auch ein Leckerli für mich. Wenn ich dann lange genug belle bis endlich(!) mein Hundeführer da ist, dann wird mit mir gespielt. Ganz toll!!
Manchmal hat der Mensch, den ich mit meiner Nase schon auf ein paar hundert Meter rieche oder auch wenn er tief unter Trümmern steckt, gar kein Spielzeug mit. Das nennen die Menschen dann Einsatz. Aber dann belohnt mich Frauchen mit Spielen und andere Menschen, die auch rote Sachen tragen, kümmern sich um den Menschen, den ICH gefunden habe.
Aber jetzt schlafe ich erst mal noch ein bisschen. War doch anstrengend das Wochenende.
Heute morgen war das wieder eine schöner Morgenspaziergang. Ich habe mit der Hündin von nebenan eine halbe Stunde gespielt. Quer über die Wiese sind wir getobt. Auf dem Rückweg hat Frauchen ein bisschen Unterordnung mit mir gemacht. Unterordnung ist doof! Da muss man immer gehorchen und möglichst sofort das machen, was Frauchen sagt. Zum Beispiel ruft Frauchen plötzlich „Down“, obwohl ich gerade auf die andere Straßenseite will, weil es dort so gut riecht. Dann muss ich mich sofort an der Stelle, an der ich gerade bin, hinlegen. Das ist wichtig, sagt Frauchen. Für meine Sicherheit, sagt Frauchen. Aber ich kriege, wenn ich es richtig gemacht habe, auch ein Leckerli. Und ein Lob oder ein Leckerli von Frauchen ist schon was Tolles! Na gut, dann mache ich es eben. Ich finde Leckerli und Lob richtig schön. Vielleicht kann ich morgen ja mal versuchen zu riechen, was da drüben los ist.
Nachmittags ist Frauchen mit dem Fahrrad gefahren und ich bin nebenher gelaufen. Na, so im lockeren Trab; Frauchen fährt ja nicht so schnell. Das ist gut für meine Kondition. Zehn Kilometer sind das jetzt schon. Manchmal auch länger. Bringt Spaß! Und hinterher darf ich immer im Teich baden. Das bringt auch Spaß.
Eigentlich bringt alles Spaß. Ich lerne dabei am besten, sagt Heike unsere Ausbilderin. Hat sie recht!
Heute ist wieder Trainingstag! Da treffe ich alle anderen Hunde aus der Rettungshundestaffel. Und die Menschen aus der Rettungshundestaffel. Die sind auch alle ganz freundlich. Wir machen eine Suche (das habe ich Euch ja schon erzählt, wie das geht) und eine Schickübung. Bei der sagt Frauchen „Rechts voraus“ und zeigt nach rechts. Dann laufe ich da hin, denn dort wartet jemand auf mich mit einem Leckerli. Und dann laufe ich zu Frauchen zurück und sie sagt „Links voraus“, zeigt nach links und ich laufe nach links. Einige von den Menschen haben auch R und L auf dem Handschuh stehen, aber ich weiß nicht wofür das ist. Weiß man doch so, wo rechts oder links ist: immer da wo Frauchen hinzeigt!
Nach ein paar Mal hin und her wird wieder mit mir gespielt. Jetzt habe ich es gelernt. Ich achte auf Frauchen und dort wo sie hinzeigt, laufe ich auch hin. Und wenn ich weit genug weg gewesen bin, laufe ich zu Frauchen zurück. Und am Ende spielt wieder einer mit mir! Schon toll so’n Training!
Heute morgen war wieder Spielen und Spazieren gehen dran. Ich glaube wir haben einen neuen Hund im Dorf. Das riecht so. Nur Frauchen hat es wohl nicht gerochen. Na ja, Menschen können eben nicht alles. Nach dem Spaziergang gab es gleich was zu Fressen. So wie jeden Morgen. Ich finde es ist immer zu wenig. Aber der Hundedoktor sagt, ich soll nicht so viel auf einmal fressen. Denn wir müssen ja eventuell jederzeit in den Einsatz. Und bei ganz vollem Magen besteht die Gefahr einer Magendrehung. Also gibt mir Frauchen zweimal am Tag eine halbe Portion. Ist auch gut. Zweimal pro Tag Fresschen hat auch was!
Nachmittags haben wir mit der Schleppleine geübt. Eine ganz lange Leine ziehe ich hinter mir her. Im Wald sind wir unterwegs gewesen. Und einen Hasen habe ich gesehen. Die laufen immer so schön und ich wollte hinterher. Da hat es plötzlich ganz doll geruckt an meinem Hals. Und Frauchen hat „NEIN!“ gesagt. War nicht so gut, das mit dem Rucken. Also wenn ich das nächste Mal einen Hasen sehe, laufe ich nicht gleich los. Denn wenn ich dann bei Frauchen bleibe, gibt es auch ein Leckerli.
Ich habe gerade von meiner Freundin geträumt. (Na Sie wissen schon, die mit der ich morgens öfter spiele.) Es war noch dunkel draußen.
„Piep, Piep, Piep!” tönt es aus dem Schlafzimmer von Herrchen und Frauchen. Und eine Durchsage: „Einsatz für die Rettungshunde, melden Sie sich bei der Leitstelle!“. Jetzt geht’s rund. Bloß nicht im Weg stehen. Lieber schon mal an die Tür setzen. Herrchen telefoniert wie ein Wilder. Ich höre die Namen von den Menschen, die alle zur Rettungshundestaffel gehören. Frauchen zieht schon die roten Sachen an. Dann ist es wichtig. Sie packt die Kiste mit meiner Kenndecke und meinem Wasser und mein Spielzeug ist da auch drin. Das rieche ich! Da sind auch noch andere Sachen drin. Alles was wir für den Einsatz brauchen, sagen meine beiden Menschen. Kaum ist Herrchen auch in den Klamotten geht’s auch schon los. Einmal bin ich sogar mit einem Auto mit viel Lärm und blauem Blinklicht gefahren, aber normalerweise fahren wir mit unserem Auto. Wie so ein Einsatz abläuft, könnt ihr an anderer Stelle nachlesen.
Nach vier Stunden waren wir wieder zu Hause. Meine Menschen waren froh, dass der Bäcker schon auf hatte. So konnten sie wenigstens Brötchen zum Frühstück mitbringen. Ich habe nur etwas Wasser geschlappt und mich dann gleich zum Schlafen gelegt. So’n Einsatz ist immer richtig anstrengend.
Ein Hundekollege aus der Staffel hat den vermissten Menschen gefunden. Trotzdem wurde mit allen Hunden am Ende des Einsatzes gespielt. „Bestätigen“ nennen das die Menschen. Ist mir egal, wie das heißt, Hauptsache am Ende spielt immer einer mit mir. Das hat wieder Spaß gebracht. Aber anstrengend war es eben, weil wir so lange suchen mussten. Und irgendwann sind wir Hunde auch erschöpft. Nicht nur die Menschen. Ich kann jetzt schlafen. Die Menschen müssen zur Arbeit.
Heute ist schon Wochenende. Meine beiden Menschen sind zu Hause und schlafen ein bisschen länger. Dann muss ich etwas länger auf meinen Morgenspaziergang warten. Als ich mit Frauchen vom Spaziergang zurückkomme, ist das Frühstück schon fertig. Ich bekomme meine Mahlzeit und meine beiden Menschen sitzen am Frühstückstisch und besprechen das Wochenende. Die anderen, die auch zur Familie gehören, schlafen immer noch. Die sind gestern auch ganz spät wiedergekommen. In der Disco waren sie, haben sie gesagt. Aber wann sie nach Hause gekommen sind, verrate ich nicht.
Dann geht es in den Garten. Ich helfe Frauchen beim Blumen pflanzen. Ich buddele ihr schon mal die Löcher. Aber in meine Löcher steckt sie keine Blumen. Nur in die Löcher, die sie selbst gemacht hat. Herrchen sagt „Pfui“ und Frauchen „Spiel’ doch ein bisschen mit ihm!“. Ich hole schon mal mein Spielzeug und schmeiße mein schönes dreckiges Knotenband auf Herrchens helle Hose. Er guckt so merkwürdig, aber er spielt mit mir.
Nachmittags gehen meine beiden Menschen mit mir spazieren. Auch ein bisschen Unterordnung ist wieder dabei. Damit nichts vergessen wird. Und Üben müssen wir ständig. Ein schöner ruhiger Samstag. Dann ist eben morgen Training. Am Mittwoch und an einem Tag am Wochenende ist immer Training. Entweder Samstag oder Sonntag. Und morgen ist schon wieder Sonntag. Toll, dann geht’s wieder zum Training. Mit diesem Gedanken schlafe ich ein.
Jaaa! Heute geht es wieder zum Training. Herrchen und Frauchen stehen wie an Wochentagen auf. Nach dem Frühstück packen meine beiden Menschen die Hundekiste und sich selbst etwas ein. Dass es regnet, macht mir nichts aus. Herrchen und Frauchen haben dann so komische Dinger auf dem Kopf. Wozu das wohl gut ist?
Im Trainingsgebiet angekommen, wird auch gleich eine kleine Verbellanzeige gemacht. Wir fahren immer in unterschiedliche Übungsgebiete. Schade, sonst wüsste ich schon die Stellen, wo sich die Menschen mit meinem Spielzeug immer verstecken. Aber ich habe ja meine Nase. Mit der rieche ich die versteckten Menschen auch ganz schnell.
Nach der Verbellanzeige stellen wir uns alle am Waldrand entlang in einer Kette auf. Das wird wieder lustig! So ca. 60 m Abstand haben wir voneinander. Jetzt bekommt jeder Hund erst einmal seine Kenndecke um und dann geht es los. Frauchen flüstert mir noch ins Ohr: „Such und hilf“ und schon laufen wir alle los. Rechts, links, rechts, links und immer so weiter; immer bis zum Nachbarhund und dann zu dem anderen Nachbarhund. Das geht eine ganze Zeit so. Ich rutsche unter den Brombeerranken unter durch; aber Frauchen hat ein bisschen Mühe hinterher zu kommen. Geht manchmal ganz schön langsam mit diesen Menschen im Schlepptau. Ich glaube, wenn sie vier Beine hätten, könnten sie schneller laufen.
Da ein Reh! Tut mir leid Reh, ich kann jetzt nicht mit Dir spielen, ich muss jetzt arbeiten und suchen. Irgendwo ist doch mein Spielzeug versteckt und ein Mensch liegt dabei. Im übrigen denke ich noch an den Ruck an meinem Hals bei dem Hasen. Also lieber weitersuchen als noch mal so einen Ruck. Frauchen ist ganz stolz auf mich und lobt mich! Habe ich wohl gut gemacht.
Ein Rettungshund bellt! Die ganze Kette steht. Ich ruhe mich bei Frauchen an der Seite ganz kurz aus und bekomme ein bisschen Wasser. Die Nase macht sie mir auch nass, damit ich wieder besser riechen kann. Und schon geht es weiter. Wieder kreuz und quer durch den Wald. Jetzt habe ich etwas in der Nase. Aber wo ist das bloß? Ich kreise, bin unsicher . . . . doch da ist ein Geruch! Kommt der von oben? Ran an die Leiter, die da mitten im Wald steht und ein paar Sprossen hoch, so weit wie ich komme und der Geruch wird stärker. Doch . . . ein Mensch! Ich belle. Frauchen kommt und guckt, „Hochsitz“ sagt sie zu diesem Ding mit der Leiter; und tatsächlich da ist ein Mensch und er hat auch mein Spielzeug. ICH habe gefunden! Jetzt müssen die anderen warten, bis ich ein wenig gespielt habe. Dann geht es weiter.
Als wir durch das Waldstück durch sind, haben wir drei Menschen gefunden. Mit allen Hunden wird jetzt noch einmal das „Bestätigungsspiel“ gemacht und zufrieden gehen wir alle zurück. Wir Hunde spielen noch ein wenig miteinander, unsere Menschen reden und es ist schon Nachmittag als es wieder nach Hause geht. Herrchen sagt auf der Rückfahrt: „Das waren schon wieder fünf Stunden insgesamt“ aber da schlafe ich schon fast. Zu Hause gibt es Fresschen für mich und gerade als ich so wegdöse, sehe ich dass sich meine Menschen zum Kaffeetrinken hingesetzt haben.
Schön, so ein Leben als Rettungshund!
Kommt doch mal vorbei zum Training! Bring’ Deinen Menschen mit und wir probieren mal, ob ihr das auch könnt!
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